Lukas Fries – Lizabeth Andrew Borden

LUKAS FRIES

 

LIZABETH ANDREW BORDEN

 

Musikalische Leitung Zyunzo Garcia

Regie Vera Häupl

Bühne Lukas Fries

Kostüm Anne Gebrande

Dramaturgie Peter Thiers

mit Kira Plaß, Pamina Stauffer

sowie Anna Olivia Amaya Farias, Moritz Hamm, Tom Richter, Pablo Villafuerte

 

_MGU2892.1_web

 

Der Reiz des Realen

„Lizzie Borden took an axe, gave her mother forty whacks; When she saw what she hed done, gave her father forty-one.“

Der 4. August 1892 in Fall River, Massachusetts: Zwei blutüberströmte Leichen im Haus der Familie Borden, Vater und Stiefmutter der damals 32-jährigen Lizzie, erschlagen mit einer Axt. Mangels Beweisen wird Lizzie später freigesprochen, trotz Ungereimtheiten und eines überzeugendes Motivs: Ihr Vater, der bei seinem Tod umgerechnet acht Millionen Dollar besitzt, lässt die Familie trotz Reichtum in ärmlichsten Verhältnissen leben – nicht einmal fließend Wasser gibt es im Haus.

Was von diesem Aufsehen erregenden Mordfall heute bleibt, ist ein gruseliger Abzählreim sowie zahlreiche Referenzen in Filmen, TV-Shows und Rocksongs. Doch was ist es, was das Label „Nach Einer Wahren Geschichte“ für uns so reizvoll macht? Schwebt mit diesen Worten auch ein Klang des Authentischen im Raum, ein kleiner Griff nach Realität in einer digitalisierten Gesellschaft, die alles fiktionalisiert? Ist es beruhigend, dass Lizzie, die unterdrückte Tochter, sich am Ende doch gegen den Paternalismus durchsetzen kann und uns damit in unserem Blick auf eine „gerechte“ Gesellschaft bestätigt?

Egal, was letztlich gilt: In der Geschichte des Haus Borden gibt es keinen Gewinner, keine Geretteten. Es ist die Geschichte einer durchgebluteten Emanzipation, eines Lebens im Selbstwiderspruch. Schlüssig also, dass Lizzie sich kurz nach dem Tod der Eltern umbenennen lässt. Keine Verniedlichungsform mehr, sondern ein Leben im Realen: das ist Lizabeth Andrew Borden. (Peter Thiers)